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#7 Oktober 2026. Hagebutte

#7 Oktober 2026. Hagebutte

+Steckbrief Hagebutte  +Spurensuche +Heilsames +DIY Hagebutten verarbeiten: Tee, Mark, Marmelade  +Inspiration


‍Liebe Pflanzenfreundin, 
lieber Pflanzenfreund.

In diesen leuchtenden Oktobertagen war ich unterwegs, um Hagebutten zu sammeln. Dabei habe ich gestaunt, wie viel am Wegrand noch lebt und blüht.


Die weiße Taubnessel stand in Blüte, und an einem wilden Baum hingen noch Mirabellen, die ich gleich vom Zweig naschen konnte. Dazwischen trugen die Pflanzen des Sommers ihre Fruchtstände, etwa das Johanniskraut mit seinen Kapseln. Es fühlte sich an, als wäre das ganze Kräuterjahr noch einmal gegenwärtig.

 

 

Pflanzen

‍

 

Und mittendrin leuchteten mir die Hagebutten entgegen, an Büschen, die teils noch grün belaubt, teils schon kahl waren. Ich habe sie mit einer kleinen Gartenschere geerntet und von jedem Busch nur ein wenig genommen, damit auch die Vögel noch etwas finden.


Ich wünsche dir, dass du diese letzten hellen Tage nutzt, bevor es dunkler wird. Geh hinaus und pflücke ein paar Hagebutten. Mit ihrem Beta-Carotin trägt die Frucht das Licht des Sommers in sich. Hol es dir in die Küche. Wie das geht, zeigt dir dieser Newsletter.

‍Herzlichst,

deine Draußen-Apothekerin

‍ © Pexels, B.Emde 


‍Heilpflanze des Monats

Nelkenwurz

Rosa canina 


Hagebutte

© Unsplash

‍Familie

Rosengewächse (Rosaceae)


‍Vorkommen

Hecken, Waldränder, Wegesränder und sonnige Böschungen, in ganz Mitteleuropa


‍Aussehen

  • ›  Dorniger Strauch, 2 bis 3 m hoch, mit überhängenden Zweigen und hakigen Stacheln 
  • ›  Die Blüten sind weiß bis zartrosa, die Früchte länglich bis eiförmig, leuchtend rot bis orange
  • ›  Die unpaarig gefiederten Blätter bestehen aus fünf bis sieben eiförmigen, gesägten Blättchen

‍Sammelzeit

September bis November, am besten nach dem ersten Frost. Die Blüten gibt es im Mai und Juni.

‍Inhaltsstoffe je 100 g getrockneter Hagebutte

  • ›  Vitamin C, ca. 500 bis 1600 mg
  • ›  Vitamin E, ca. 6 mg
  • ›  Beta-Carotin, ca. 7 mg
  • ›  Ballaststoffe, ca. 40 g, davon 4 g Pektin 
  • ›  Calcium, ca. 400 mg
  • ›  Magnesium, ca. 170 mg
  • ›  Kalium, ca. 470 mg
  • ›  Zink, ca. 1,5 mg
  • ›  Kupfer, ca. 3 mg
  • ›  Flavonoide, Fruchtsäuren, Gerbstoffe

‍Anwendung

Als Tee zur Stärkung in der kalten Jahreszeit, Mus, Marmelade und Sirup. Die Samen gelten traditionell als Hausmittel bei Blasenbeschwerden, das Pulver aus Schale und Samen wird bei Gelenkbeschwerden verwendet.


© Unsplash, Pexels

Hagebutte

Spurensuche Hagebutte

Von der Rosenblüte zur Hagebutte 

Im Mai und Juni schmücken sich Hundsrose, Heckenrose und andere Wildrosen mit ihren zarten, meist fünfzähligen Blüten. Weiß oder rosa leuchten sie zwischen dem Grün der Hecken und Waldränder. Bienen und andere Insekten besuchen die offenen Blüten und sorgen dafür, dass sich später Früchte entwickeln können.


Wenn die Blütenblätter abgefallen sind, hat im Inneren die Verwandlung längst begonnen. Im bauchig erweiterten Blütenboden liegen viele kleine Fruchtknoten, die nach der Befruchtung zu harten Nüsschen heranreifen. Der Blütenboden wächst mit, wird fleischig und färbt sich im Lauf des Sommers und Herbstes je nach Rosenart leuchtend orange bis tiefrot. Was wir Hagebutte nennen, ist also gar nicht die Frucht selbst, sondern die rote Hülle, die viele kleine Früchte umschließt.


Schneiden wir eine reife Hagebutte vorsichtig der Länge nach auf, entdecken wir im Inneren die hellen Nüsschen, eingebettet in feine Härchen. Diese Härchen können auf der Haut ordentlich jucken, und nicht umsonst sind sie als Zutat des bekannten Juckpulvers berüchtigt. Wer Hagebutten für die Küche verarbeitet, entfernt die Nüsschen und Härchen deshalb sorgfältig.


Manchmal sitzen an der Spitze der Hagebutte noch die vertrockneten Kelchblätter, wie eine kleine Krone. Bei anderen sind sie schon abgefallen. So erzählt jede Hagebutte ihre eigene Geschichte: von der offenen Blüte über das Vergehen der Blütenblätter bis zur reifen Frucht, die im Herbst Farbe in die Landschaft bringt.


Dabei gleicht keine Hagebutte der anderen. Die Hundsrose trägt oft längliche bis eiförmige, rote Früchte, andere Wildrosen haben rundliche, dunklere oder besonders fleischige. Wenn du im Herbst an einer Hecke vorbeikommst, lohnt sich ein genauer Blick: Welche Formen, Farben und Oberflächen entdeckst du? Und vielleicht bleibt ein paar Tieren zuliebe etwas hängen, denn sie sind in der kalten Jahreszeit eine wertvolle Nahrung.

Hagebutte Pflanze

‍  © Pexels, Unsplash 

Heilsames

Die Hagebutte, rote Kraft des Herbstes

Wenn wir Hagebutten für Küche und Pflanzenheilkunde sammeln, nutzen wir vor allem die fleischige rote Hülle. In ihr stecken Vitamin C, weitere Vitamine, Fruchtsäuren, Pektine und Gerbstoffe. Wie viel Vitamin C genau darin ist, hängt von der Rosenart, vom Reifegrad und vom Standort ab, und auch davon, wie wir die Früchte später verarbeiten.


Das leuchtende Rot bis Orange ist die Farbe des Herbstes, und sie verrät uns etwas über den Inhalt. Verantwortlich sind vor allem Carotinoide, zu denen Beta-Carotin und Lycopin gehören. Bei vielen blauen oder violetten Beeren sind es dagegen andere Farbstoffe, die Anthocyane. Carotinoide schützen die Pflanze und können auch in unserem Körper antioxidativ wirken. Hitze und langes Trocknen schmälern allerdings Farbstoffe und das empfindliche Vitamin C. Deshalb lohnt es sich, Hagebutten möglichst schonend zu verarbeiten und Tee zum Beispiel nur zu überbrühen, statt ihn sprudelnd zu kochen.

Hagebutte Frucht

‍  © iStock by Getty Images

‍Öffnen wir eine Hagebutte, finden wir darin die harten, hellen Nüsschen. Sie sind die eigentlichen Früchte der Rose, und in jedem steckt ein Samen. Diese Samen enthalten fettes Öl mit wertvollen ungesättigten Fettsäuren, darunter Linolsäure und Alpha-Linolensäure. Daraus wird das Hagebuttenkernöl gewonnen, das vor allem in der Hautpflege geschätzt wird. Zu Hause lässt es sich leider nicht einfach herstellen.


So zeigt uns die Hagebutte, wie unterschiedlich eine Pflanze ihre Gaben verteilt. Die fruchtig-säuerliche Hülle eignet sich für Tee, Mus und Mark, und getrocknet lässt sie sich zu Pulver verarbeiten. Das Innere birgt das kostbare Öl. Wenn du das nächste Mal an einem Strauch stehst, nimm dir einen Moment Zeit, pflücke ein paar Früchte und schau dir ihr Inneres einmal genau an.

Zitat: Die Vegetation  zieht sich in die Wurzeln zurück.

‍  © iStock by Getty Images

‍Do it yourself

Hagebutten verarbeiten

Jetzt wird es praktisch. Mit ein paar Handgriffen wird aus deiner Ernte Tee, Pulver und ein Glas voller Herbstfarbe.

‍  © B.Emde, Pexels, iStock by Getty Images

Hagebutten trocknen

Du brauchst: 

frisch gesammelte Hagebutten, ein Messer, ein Dörrgerät oder ein Backblech mit Backpapier, ein Schraubglas

 

So geht’s:

Wasche die Hagebutten und entferne Stiele und Blütenreste. Halbiere die Früchte. Wenn du sie für Tee trocknest, löse die Nüsschen und die feinen Härchen sorgfältig heraus. Für Pulver bleiben die Nüsschen drinnen. Verteile die Hälften nebeneinander auf dem Dörrgitter oder Backblech und dörre sie bei 40 °C. Im Backofen lässt du dazu die Tür einen Spalt offen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Je nach Größe dauert es mehrere Stunden, bei Hälften mit Kernen gut einen Tag. Die Früchte sind fertig, wenn sie hart sind und beim Biegen brechen. Lass sie auskühlen und fülle sie in ein sauberes Schraubglas, das du dunkel und trocken aufbewahrst.

 

Tipp: 

Die Früchte müssen wirklich vollständig trocken sein, damit nichts schimmelt.

Hagebuttentee mit frischen Früchten

Du brauchst: 

frische, reife Hagebutten, Wasser, ein kleines Sieb 

 

So geht’s:

Wasche die Hagebutten und entferne Stiele und Blütenreste. Schneide die Früchte auf, löse die Nüsschen und die feinen Härchen sorgfältig heraus und zerkleinere das Fruchtfleisch ein wenig. Für eine Tasse übergießt du etwa 1 Esslöffel des Fruchtfleisches mit 250 ml frisch gekochtem, nicht mehr sprudelndem Wasser. Lass den Tee zugedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen und gieße ihn dann durch das Sieb ab.

Hagebuttentee mit getrockneten Früchten

Du brauchst: 

getrocknete Hagebutten, Wasser, ein kleines Sieb

 

So geht’s:

Gib 1 bis 2 Teelöffel getrocknete, zerkleinerte Hagebutten in eine Tasse und übergieße sie mit 250 ml frisch gekochtem, nicht mehr sprudelndem Wasser. Lass den Tee zugedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen und seihe ihn ab.


Tipp: 

Vitamin C ist hitzeempfindlich. Wenn du möglichst viel davon bewahren möchtest, übergieße die Hagebutten nur und lass sie ziehen, statt sie zu kochen. Wie viel Vitamin C im fertigen Tee steckt, lässt sich allerdings nicht verlässlich vorhersagen.

Hagebuttenpulver

Du brauchst: 

getrocknete Hagebuttenhälften mit Kernen, eine kräftige Mühle (Hochleistungsmixer oder starke Kaffee- oder Getreidemühle), ein feines Sieb, ein Schraubglas

 

So geht’s:

Es wird die ganze Hagebutte samt Nüsschen verarbeitet, die Schale und die Samen kommen also zusammen in die Mühle. Mahle die vollständig getrockneten Früchte portionsweise möglichst fein und siebe das Pulver ab. Gröbere Reste kannst du noch einmal mahlen. Fülle das Pulver in ein trockenes, dunkles Schraubglas und lagere es kühl und trocken.


Tipp: 

Die harten Nüsschen sind das Schwierigste beim Mahlen, eine schwache Mühle schafft das nicht. Trage beim Mahlen und Sieben am besten eine Maske, denn der feine Staub kann die Atemwege reizen.

 

Verwendung: 

Ein Teelöffel im Müsli, Joghurt, Smoothie oder Porridge, eingerührt in Suppen oder Soßen oder angerührt mit Wasser. Auch im Backteig lässt sich das Pulver verwenden. Traditionell wird Hagebuttenpulver mit Schale und Samen als Hausmittel bei Gelenkbeschwerden genommen. Bei gesundheitlichen Beschwerden gehört das aber in ärztliche Hände.

‍Do it yourself

Das Rot im Glas

Das Mark, in manchen Regionen auch Hiffenmark genannt, ist die Grundlage. Aus ihm kannst du Marmelade kochen oder es pur verwenden. Hagebutten enthalten von Natur aus viel Pektin, deshalb gelingt die Marmelade meist gut.

‍  © Pixabay, Pexels

Hagebuttenmark

Du brauchst: 

etwa 500 g frische, reife Hagebutten, Wasser, ein Sieb oder eine Passiermühle (Flotte Lotte), saubere Schraubgläser

 

So geht’s:

Wasche die Hagebutten und entferne Stiele und Blütenreste. Halbiere die Früchte, löse die Nüsschen und die feinen Härchen sorgfältig heraus und gib das Fruchtfleisch in einen Topf. Gieße so viel Wasser dazu, dass die Früchte gerade bedeckt sind und lass sie zugedeckt 15 bis 20 Minuten sanft köcheln, bis sie weich sind. Streiche alles durch die Passiermühle oder ein feines Sieb. Das Mark kannst du in Gläser füllen und einfrieren oder direkt weiterverarbeiten.

 

Verwendung: 

Schmeckt in Joghurt oder Quark, im Porridge. Du kannst es auch als fruchtige Grundlage für Soßen und Desserts verwenden.

Hagebuttenmarmelade

Du brauchst: 

Hagebuttenmark, Gelierzucker 2:1, etwas Zitronensaft

 

So geht’s:

Wiege 500 g Hagebuttenmark ab, gib 250 g Gelierzucker 2:1 und einen Spritzer Zitronensaft dazu und rühre alles gut um. Bringe die Masse unter Rühren zum Kochen und lass sie so lange sprudelnd kochen, wie es auf der Gelierzuckerpackung steht, meist etwa 4 Minuten. Fülle die heiße Marmelade sofort in saubere, abgekochte Gläser, verschließe sie fest und stelle sie für einige Minuten auf den Kopf.

 

Verwendung: 

Die Marmelade passt aufs Brot, zu Käse und zu Wild. Weil Hitze Vitamin C vermindert, ist dieser Teil vor allem Genuss und weniger ein Vitamin-C-Lieferant.

‍Alle Do-it-yourself-Projekte findest du in meinen Highlights auf Instagram: 

https://www.instagram.com/diedraussenapotheke/

‍Persönliche Inspiration

Ich kann das!

Hast du schon einmal ein Glas Marmelade aufgemacht, das du selbst gekocht hast? Wer die Hagebutten selbst gesammelt, getrocknet und verarbeitet hat, kennt dieses stille Glücksgefühl. Du hast etwas am Wegrand erkannt, mit eigenen Händen ein Stück Natur in die Küche geholt und etwas Gutes daraus gemacht. Solche kleinen Erfolge stärken das, was die Gesundheitsforschung Selbstwirksamkeit nennt: das Vertrauen, dass wir selbst etwas bewirken können, auch für unsere Gesundheit. Es wächst nicht durch große Pläne, sondern durch viele kleine Erfahrungen, ob beim Sammeln, beim Backen oder beim Pflanzen von Kräutern auf der Fensterbank. Vielleicht probierst du diese Woche etwas aus, das du noch nie selbst gemacht hast, und sei es noch so klein.

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USt-IdNr. DE144366563

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